2011

Atomkatastrophe in Fukushima besiegelt Aus für deutsche Kernkraft

Das Seebeben erschüttert nicht nur Japan –  auch den Glauben mancher an eine „sichere Atomkraft“.Am 11. März 2011 rollt nach einem Seebeben eine verheerende Tsunami-Welle über die japanische Pazifikküste. Neben Tod und Zerstörung verursacht sie die größte Nuklearkatastrophe seit Tschernobyl 1986 – und sorgt für ein Umdenken der deutschen Bundesregierung in der Energiepolitik.

Die Reaktorblöcke des japanischen Kernkraftwerks Fukushima werden von der Tsunami-Welle überschwemmt, der Strom für die Kühlung fällt aus. Da auch die Notstromversorgung zum größten Teil zerstört ist, kommt es zur Kernschmelze und in den darauffolgenden Tagen zu Explosionen und Bränden, die die Reaktorgebäude teils schwer beschädigen. Große Mengen radioaktiven Materials – etwa doppelt so viel wie bei der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl 1986 – werden freigesetzt. Noch nach Jahren fließt radioaktiv verseuchtes Kühlwasser ins Meer. Die Gegend um das Atomkraftwerk ist auf Dauer unbewohnbar, Menschen sind verstrahlt oder stehen vor dem wirtschaftlichen Ruin.

Diese Katastrophe und die erfolglosen Bemühungen, die Folgen in den Griff zu bekommen, sorgen in Deutschland für ein Umdenken der amtierenden schwarz-gelben Bundesregierung. Noch 2010 hatte sie eine unter Rot-Grün mit den vier deutschen Kernkraftwerksbetreibern ausgehandelte Vereinbarung, deren Kernkraftwerke nach dem Erzeugen bestimmter Strommengen abzuschalten, aufgekündigt und eine Laufzeitverlängerung beschlossen. Jetzt, unter dem Eindruck, dass selbst hochentwickelte Industrieländer wie Japan die Risiken der Atomkraft nicht sicher beherrschen können, vollzieht Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Kehrtwende. Nur drei Tage nach der Nuklearkatastrophe werden die sieben ältesten Atomkraftwerke vorübergehend stillgelegt. Am 30. Juni 2011 beschließen Bundestag und Bundesrat mit deutlicher Mehrheit, sie nicht wieder in Betrieb zu nehmen, das Kernkraftwerk Krümmel sofort und alle übrigen deutschen Atomkraftwerke bis 2022 stilllegen zu lassen. Damit beugen sie sich auch der überwiegenden Meinung der deutschen Bevölkerung, die die Risiken der Atomkraft nicht länger tragen möchte und die Nuklearkatastrophe mit regem Zulauf zu Ökostromtarifen beantwortet. Mit dem beschlossenen Atomausstieg erhält die Energiewende hin zu Strom aus erneuerbaren Energien neuen Schwung. Denn der Atomstrom muss schrittweise ersetzt werden. Dass dies bereits bis zum Jahr 2017 möglich ist, zeigt das UBA im Mai 2011 in seiner Publikation „Umstrukturierung der Stromversorgung in Deutschland“.

Links

Artikel „Deutsche Welle“ 30.06.2011: Bundestag beschließt Atomausstieg

UBA-Publikation „Umstrukturierung der Stromversorgung in Deutschland“

UBA-Themenseite „Kernenergie und Reaktorsicherheit“